Andacht - CVJM Adlerbrücke
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Andacht
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Fällt er, so stürzt er doch nicht; denn der Herr hält ihn fest an der Hand.

Psalm 37,24

Sprung am Trapez

In einem seiner Bücher erzählte der Schriftsteller Henri Nouwen fasziniert von zwei Trapezkünstlern, mit denen er Freundschaft schloss. Diese Künstler hätten ihn in ein neues Bewusstsein, was Glauben heißt, katapultiert.

Eines Tages saß Nouwen mit Richard, dem Leiter der Truppe, in seinem Wohnwagen und unterhielt sich mit ihm über seine artistische Kunst. Er sagte: „Als Luftspringer, der hoch in der Kuppel seine Salti dreht, muss ich absolutes Vertrauen auf den haben, der mich auffängt. Das Publikum hält vielleicht mich für den großen Star, aber der wirkliche Star ist John, mein Fänger. Er muss für mich im Bruchteil einer Sekunde parat sein und mich aus der Luft angeln, wenn ich im hohen Bogen auf ihn zufliege.“ – „Wie klappt das immer?“ fragt ihn Nouwen.

„Nun“; sagt Richard „das Geheimnis besteht darin, dass der Flieger nichts tut und der Fänger alles. Wenn ich auf John zufliege, muss ich bloß meine Arme und Hände ausstrecken und darauf warten, dass er mich auffängt. Das Schlimmste, was der Flieger tun kann, ist nach dem Fänger greifen zu wollen. Ein Flieger soll nichts als springen und fliegen, ein Fänger nichts als auffangen. Der Flieger muss mit ausgestreckten Armen völlig darauf vertrauen, dass sein Fänger im richtigen Augenblick nach ihm greift!“

Dieses Bild der Trapezkünstler sagt mehr über das Wesen des Glaubens aus als manche Abhandlung. Springen – fallen – aufgefangen werden – darum geht es. Wenn wir vielleicht denken, dass unser Part als Springer der weitaus gefährlichere ist, so belehrt uns der Trapezkünstler Richard eines Besseren. Der wirkliche Star ist der Fänger, ist Gott, der uns mit ausgestreckten Armen im richtigen Augenblick aus der Luft angelt und uns auffängt. Ja, wir tun uns oft schwer, loszuspringen und uns fallen zu lassen. Wir fragen manchmal zweifelnd oder auch ängstlich: Ist da überhaupt einer, der mich auffängt, wenn ich in meinem Beten erwartungsvoll in seine Arme springe? Garantien und Sicherheiten gibt es keine. Das Wagnis des Sprungs bleibt. Aber bis heute lockt uns die Bibel mit dem Versprechen: Die auf den Herrn hoffen, werden nicht fallen! (Psalm 125,1)

Aus Klaus Jürgen Diehl,
Zwischenmahlzeit, S. 167.