Andacht
15684
page-template-default,page,page-id-15684,bridge-core-2.1,ajax_fade,page_not_loaded,,qode_grid_1200,qode-theme-ver-19.7,qode-theme-bridge,qode_header_in_grid,wpb-js-composer js-comp-ver-6.1,vc_responsive

Andacht
_

Advent: In Erwartung

 

Die Bibel erzählt von einer stillen, unauffälligen Adventsgestalt: von Simeon. Seine Geschichte erzählt der Evangelist Lukas (Lukas 2, 25-35). Das Besondere an diesem Mann ist seine Geduld mit Gott. Tausendmal mag er schon voller Erwartung in den Tempel gegangen sein: „Wird es heute geschehen? Wird Gott in mein, in unser Leben treten und es neu machen?“ Tausendmal hat er vergeblich gewartet und trotzdem gibt er nicht auf. Denn er hat Geduld mit Gott. Geduld haben, meint ursprünglich: „unter einer Last bleiben“. Simeons Last ist seine Sehnsucht, dass Gott handeln möge, sein Friedensreich errichten möge inmitten der Zeiten von Unfrieden, Ungerechtigkeit und Leid. Simeon ist darüber alt geworden. Aber seine Erwartung ist nicht erloschen. Sie ist nicht einer lähmenden Hoffnungslosigkeit gewichen. Im Gegenteil: Die Erwartung, sie brennt in ihm und lässt ihn nicht los. Warum gibt er nicht auf? Ein ganz einfacher Grund legt sich nahe: weil Simeon Gottes Zusage hat. Diese Geduld mit Gott, dieses feste Vertrauen darauf, dass es einmal geschehen muss, weil Gott es doch in seinem Wort versprochen hat – das ist die adventliche Haltung des Simeon. Er ist ein Mensch, der warten kann. Natürlich hat Warten viele Gesichter. Das weiß auch Simeon, als gerechter und frommer Mensch, der mitten im Leben steht. Einmal strahlt es und macht beschwingt, ein anderes Mal trägt dieses Leben harte und traurige Züge. Warten ist immer Er-warten, ist Hoffnung und Sehnsucht. Für den, der wie Simeon hoffnungsvoll warten kann, sind weder Teilerfolge noch Enttäuschungen endgültig. Das Große liegt noch immer vor ihm. Er nimmt nicht alles hin, was als Realität, als unabänderlich und festgefahren bezeichnet wird. Wer wie Simeon hofft, ist anfällig für das Mögliche! In diesem Geist starten auch die diakonischen Projekte von Adveniat und Brot für die Welt in der Adventszeit. Ein Mensch wie Simeon lässt sich die Sehnsucht nicht rauben nach einer Welt, in der Gott zum Ziel kommt, in der sein Frieden und seine Gerechtigkeit zu Hause sind. Simeon wusste: Gottes Wunder kann man nicht herbeizwingen. Und zugleich wusste er: Gott lügt nicht! Zu seiner Zeit erfüllt er seine Verheißung. Darum hat mein Hoffen einen Sinn. Lukas berichtet: Am Ende hat Simeon nicht vergeblich gehofft. Im Tempel nimmt er das Kind, den Sohn Gottes in seine Arme – den Trost Israels!

Eckhard Langner