Andacht - CVJM Adlerbrücke
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Andacht
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Wir aber zogen voraus zum Schiff und fuhren nach Assos und wollten dort Paulus zu uns nehmen; denn er hatte es so befohlen, weil er selbst zu Fuß gehen wollte.

Apostelgeschichte 20,13

Per pedes apostolorum

Als der Schauspieler und Komiker Hape Kerkeling 2006 unter dem Titel „Ich bin dann mal weg“ seine Erfahrungen als Pilger auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela veröffentlichte, konnte er nicht ahnen, was er damit auslösen würde. Nicht nur, dass das Buch seither mehr als 4 Millionen Käufer fand und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Das Überraschendste war wohl, dass Kerkeling mit seinem Buch einen wahren Pilger-Boom entfacht hat. Inzwischen machen sich jedes Jahr Hunderttausende auf ganz unterschiedliche Pilgerwege – nicht nur auf dem berühmten Jakobsweg.
Sie knüpfen damit an eine alte Tradition an, die letztlich auf die Zeit der Apostel zurückgeht. Schon Petrus, Paulus und andere Apostel nahmen überwiegend zu Fuß – per pedes – erstaunliche Wegstrecken auf sich. Ihr treibendes Motiv war dabei allerdings nicht die Wallfahrt zu einem Heiligtum, sondern der Gehorsam gegenüber dem Auftrag des Auferstandenen, der seinen Jüngern beim Abschied geheißen hatte: „Darum geht hin…“ (Matthäus 28,19). Wenn man bedenkt, welch riesige Entfernungen ein Paulus auf seinen Missionsreisen meist zu Fuß auf sich nahm und dabei bedenkt, dass er ein gesundheitlich angeschlagener Mann war, dann nötigt uns allein diese Tatsache großen Respekt ab. Man kann fragen, warum er selbst dann noch lieber mehr als 40 km von Troas nach Assos allein zu Fuß gehen wollte, statt sich mit seinen Begleitern für die sicher bequemere Schiffspassage an der Küste entlang zu entscheiden. Vermutlich brauchte er einfach diese Zeit, um allein zu sein und über seinen weiteren Weg intensiv mit Gott zu reden. Wir erinnern uns, dass auch Jesus manchmal sehr bewusst diese Zeiten des Alleinseins gesucht hat, um mit seinem himmlischen Vater zu reden.
Wir lernen daraus, dass unser Glaube immer wieder Orte und Zeiten des Rückzugs braucht. Dabei kann Pilgern eine Hilfe sein, einmal bewusst Abstand vom üblichen Alltagsleben zu gewinnen. Es dient zu einer intensiveren Begegnung mit Gottes wunderbarer Schöpfung und führt zur Einkehr bei uns selbst und bei Gott.

Klaus-Jürgen Diehl,
aus: Zwischenmahlzeit, 366 Vitamine für die Seele, S. 250.