Andacht - CVJM Adlerbrücke
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Andacht
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Tagtäglich hört man jetzt von einer Gruppe, die gerade besonders leidet und an die keiner denkt., Schauspieler, Grundschüler, Gastronomen … Die Liste ist lang und im Laufe der Zeit kommen alle dran, bis auf Amazon und andere Internethändler, die können nicht klagen. Aber sonst lässt das Virus uns alle leiden und spannt uns auf die Folter.

Und wir merken, Geduld zählt nicht zu den hervorstechendsten Eigenschaften, die Leute sind gereizt, empört und beleidigt – was man verstehen kann. Gerade sagt einer unserer Politiker, wir müssen „noch abwarten“ (wie es mit den Freiheitsrechten der Geimpften stehe).

Genau das ist es, wir müssen noch abwarten. Das hat man uns 12 Monate erzählt: wir müssen abwarten, ob uns die Maske wirklich schützt, ob eine zweite Welle kommt, ob nicht die Zahlen wieder sinken ….

Noch abwarten. Das macht müde. Ich verstehe die Ungeduld, erzeugt von unklaren Botschaften und fehlendem Handeln.

Aber, selbst wenn alles richtig liefe, bleibt die Herausforderung, die jetzigen Zeiten durchzustehen und eben auch – Geduld zu haben, warten zu können, bis alles wieder anders wird.

Warten zu können braucht Energie, Nerven und Zeit. Es ist alles andere als passiv. „Warten ist eine große Tat“ (Christoph Blumhardt). Wer nicht mehr warten kann, resigniert und ist erschöpft. Und Erschöpfung ist ja im Moment die Diagnose unserer Gesellschaft. Aber woher die Energie nehmen? Warten lässt sich nur mit Hoffnung im Herzen, mit der Gewissheit, dass das Warten sich lohnt.

„Wir rühmen uns der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen“ (Römer5, 4.5). Geduld Bewährung Hoffnung – das hört sich heroisch an, ist aber die Folge einer Liebe, die uns bis ins Innerste berührt, Gottes Liebe, die uns umgestaltet und Kraft gibt.

Für die Christen der ersten Generation war das natürlich die große Hoffnung auf das Kommen des Reiches Gottes, einer Welt in der Gottes Wille und damit auch viele menschliche Wünsche zum Zuge kommen. Aber diese große Hoffnung hat auch die kleinen Hoffnungen des Alltags entzündet, auf Durchhalten und Besserung der eigenen Lage. Hoffnung richtet sich immer auf etwas Ausstehendes, aber sie kann ja nur jetzt gelebt werden, sie ist zukünftig und gegenwärtig zugleich, mit ihr beginnt die Zukunft mitten in der Gegenwart. Christen als Gruppe mit Hoffnung – das wäre doch mal ein neues Angebot.

Bruno Schmidt-Späing