Jesus Christus fragt seine Jünger:

            „Wisst ihr nicht, wessen Geistes Kinder ihr seid?“                                                                         Lukas 9, Vers 55

Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. In einem Dorf der Samariter möchten seine Jünger Quartier machen. Doch „sie nahmen ihn nicht auf“. So heißt es. Die Jünger sind empört: Das geht zu weit! Das dürfen wir den Leuten nicht durchgehen lassen! Selbst Feuer vom Himmel möchten sie in Gottes Namen auf das Dorf regnen lassen.

Jesus fragt geradezu erstaunt und wohl auch ein wenig traurig seine Jünger, die ihn doch nur in Schutz nehmen wollen: „Wisst ihr nicht, wessen Geistes Kinder ihr seid?“ Seid ihr denn ganz von Sinnen? – Welcher Geist ist in euch gefahren? – Habt ihr denn vergessen, wer ihr seid? – Kennt ihr euch selbst nicht mehr? – Ich kenne euch nicht wieder!

So könnte Jesus wohl auch uns häufig fragen. Eben in den Augenblicken, wenn wir mit der Faust auf den Tisch schlagen; wenn wir rufen: Jetzt ist Schluss! Das geht zu weit! Jetzt schlägt’s dreizehn! Oder: Jetzt ist aber Sabbat! Jesu Frage hilft, dass wir wieder zu uns kommen, die wir gerade außer uns sind. „Wisst ihr nicht, wessen Geistes Kinder ihr seid?“

Ihr seid doch Kinder Gottes. Inspiriert, wie es im letzten Anzeiger hieß, also begeistert von Jesus Christus, seinem Leid und seiner Liebe. Sein Geist hat euch angerührt, gepackt und bewegt. Jesu Frage erinnert uns daran, wer wir sind, sie weckt uns vergessliche Leute auf, sie möchte uns wohl anrühren.

Kinder Gottes: das sind Menschen, die sein Geist berührt hat und die im Einflussbereich dieses Geistes leben; Menschen, die von seinem Geist der Barmherzigkeit und Güte beeinflusst sind; Menschen, die wohl wissen, dass immer wieder fremde Geister uns beeinflussen wollen, Zorn und Hochmut, Trägheit und Empörung. Menschen, die Jesus Christus fragt und die hoffentlich von seiner Frage beschämt sind und sie sich gefallen lassen.

                                                                                         Wolfgang Motte