Ein Mensch sieht was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an   (1. Sam. 16,7)

Samuel wird von Gott beauftragt, einen neuen König für Israel zu salben. So geht er nach Bethlehem zur Familie des Isai. Doch keiner seiner stattlichen, älteren Söhne, sondern den Schafthirten David salbt Samuel zum König.

Samuel ist sehr erstaunt über Gottes Auswahl; denn sein menschlicher Blick richtet sich zuerst auf das äußere Erscheinungsbild eines Menschen – wie wir es auch tun.
Bei Gott ist das anders:  Er interessiert sich nicht für unser Äußeres; er blickt tiefer. Im Alten Testament liest man oft: der Herr er-forscht Nieren und Herzen. Man meinte damals, dass dort die Beweggründe und Antriebe eines Menschen liegen; d.h. der Kern einer Person. Gott sieht also was mich berührbar und gleichzeitig verletztlich macht. Auf der einen Seite ist es eher unangenehm, dass Gott bis in mein Innerste sieht und mich  so kennt, dass es keine noch so versteckte Ecke vor ihm gibt. Gleichzeitig ist es auch tröstlich: Ich brauche mich vor Gott nicht zu verstecken oder ins rechte Licht zu rücken.

Dieser tiefe Blick Gottes ist kein vernichtender Blick, sondern ein liebender Blick, das bestätigt auch die Fortsetzung der Davidgeschichte: David öffnet sein Herz Gott  und wird so zu einem König nach Gottes Herzen. Doch Davids Herz  hat auch dunkle Stellen: z. B. sein Ehebruch mit Bathseba, der Mord an ihrem Ehemann. Doch David erkennt seine Schuld und bittet Gott um Vergebung und Gott verzeiht ihm. David hört immer wieder auf Gott und findet so den Weg zu ihm zurück.

Von David können wir lernen, dass Gott uns nicht mit kalten, berechnenden Augen anschaut, sondern mit einem warmen, liebenden Herzen. Es ist lebensnotwendig für uns, dass Gott uns ansieht. Nur so können wir uns auf ihn ausrichten und unser Leben nach seinem Willen leben.

Dorothea Fischer