Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst und des Menschen Kind,
dass du dich seiner annimmst! 
(Psalm 8,5)

Ein nachdenkliches Staunen durchzieht dieses Psalmwort, ein Staunen, in das die Beter uns hineinziehen möchten.

Am Anfang wird gefragt: „Was ist der Mensch?“ Diese Frage kann sehr unterschiedlich klingen. Am Bett eines neugeborenen Kindes klingt sie anders als am Lager eines todkranken, alten Menschen; angesichts der Nachricht von einem Verbrechen anders, als wenn von opferbereiter Hingabe berichtet wird.

„Was ist der Mensch?“ Ein Zwiespältiges, zu Liebe und Hass fähiges Wesen, einmal hochgemut und ein anderes Mal kleinmütig. Einmal schenkt er Vertrauen, einmal flößt er Furcht ein. Selbstgerecht und selbstlos, hin und her gerissen zwischen Hoffen und Bangen, oft nur mit halbem Herzen bei der Sache.

Das ist nichts Neues. Immer wieder neu und des Staunens wert ist etwas anderes: Dieser zwiespältige Mensch, dessen Lebenszeit sich in Grenzen hält, weil sie endlich ist; dieser Mensch, den wir heute über- und morgen unterschätzen und den wir im Ernst doch nie recht einschätzen – er wird von Gott über die Maßen geschätzt.

Was ist der Mensch, dass du Gott sein gedenkst?! Der Mensch, von dem manche vielleicht sagen: Den kannst Du vergessen, diesen Menschen vergißt Gott nicht. In seinem Gedächtnis ist er aufgehoben. Gott gedenkt seiner, auch dann noch, wenn kein Mensch mehr an ihn denkt.

Das ist der Mensch! Er ist und bleibt des Gedenkens Gottes wert und würdig. 


                                 Wolfgang Motte