Ich rufe zu dir; denn du Gott wirst mich erhören; neige dein Ohr zu mir, höre meine Rede.

Psalm 17,6.

David hat die Erfahrung gemacht, dass Gott ihn behütet und beschützt. Deshalb ist er sich auch jetzt sicher, dass Gott ihm zuhört, dass er ein offenes Ohr für ihn hat und seine Bitten erhören wird. Denn David ist wieder in einer schwierigen Situation: Menschen wollen ihn, den König vom Thron stürzen und ihn ermorden.

Diese Gewissheit, die David hat, dass Gott mich hört, wünschte ich mir auch durchgehend! Ich weiß oft gar nicht, dass Gott mich hört, dass er ein offenes Ohr für mich hat, mir antwortet und mir hilft. Manchmal wünsche ich mir deshalb, dass ich Gott direkt erlebe so wie z.B. Mose im brennenden Dornbusch und dann bilde ich mir ein, dass ich durch diesen Beweis, nicht mehr an Gott zweifle, sondern dass ich vollkommen sicher bin, dass er da ist und mich hört und erhört.

Wie komme ich zu dieser Gewissheit?

Ich mache die Erfahrung, wenn ich zu weit weg bin von Gott, kann ich ihn gar nicht wirklich hören und verstehen; d.h. ich muss mich ihm immer wieder nähern, indem ich mir Zeit nehme, mit ihm zu reden, zu beten und in seinem Wort zu lesen. Dann erfahre ich auch das, was der Psalmbeter erfahren hat: Gott neigt sich zu mir, damit er mir nahe kommt, damit er mein Gebet hört und erhört. Doch im Alltag erscheinen mir viele Dinge, die ich täglich zu erledigen habe wichtiger und dringlicher, als mir Zeit für Gott zu nehmen. Und so werden meine Ohren taub für Gottes Reden und mein Vertrauen zu Gott schwindet - so entsteht meine Distanz zu ihm. Doch ich muss sie verringern; dann kann ich Gott wieder hören. Das geschieht nicht durch sensationelle Erlebnisse, sondern durch Gebete und durch hören auf Gottes Wort. Und dann entsteht wieder die Nähe zu Gott, die für mein Leben notwendig ist. Und dann merke ich, dass Gott nie eine Distanz zu mir aufbaut, sondern nur ich – er ist immer  ganz nah bei mir, weil er mich und jeden Einzelnen von uns lieb hat.

D.Fischer