Wozu Weihnachten?

Gestern bin ich verärgert und frustriert von der Arbeit gekommen. Mein Chef hat mich einmal wieder übergangen und beim laufenden Projekt laufen immer wieder Sachen schief. Das Eine bedeutet ein Keil in unsere Beziehung, was einmal wieder entfernt werden muss. Das Zweite bedeutet Mehrarbeit und Verzug im bereits engen Zeitplan. Wenn es so läuft, wächst bei mir der Frust rapide an. Mein Perfektionsanspruch ist dann auch kein guter Ratgeber. Er verschlimmert nur die Lage und raubt jede verbliebene Motivation und jede Freude. Ich sehne mich nach Urlaub. Ich schau auf meinen Kalender und stelle fest, dass der nächste Urlaub an Weihnachten ist. In der Zeit wo wir der Ankunft Jesu auf Erden gedenken.
Ich erahne ein Augenzwinkern Jesu und überlege was Weihnachten wohl mit meiner verfahrenen Situation zu tun hat. Jesu Geburt war vom Zeitpunkt her zwar super passend geplant, wenn man den leuchtenden Stern und die erforderliche Reise nach Bethlehem betrachtet, aber in meinen Augen war die Ausführung von weitem nicht perfekt. Also Gott, dass hättest du besser hinkriegen können. Du hättest eine gute Herberge im Voraus reservieren und einer Hebamme Bescheid geben können. Dann wäre das Ganze weniger holprig und hygienischer gelaufen als allein in einem Stall. Da merke ich plötzlich, wie meine eigenen Vorstellungen, meine Erwartungen bestimmen. Sind das Gottes Gedanken? Ist das Gottes Blick auf unsere Welt und auf mich?
Nein, das ist mein begrenzter Blick. Mein perfektionistischer Blick. Gott sieht die Welt und die Menschen ganz anders. Er sieht unsere Beschränkungen und bereitet schon einen Weg, um uns zu helfen. Er braucht einfach aus seinem unbegrenzten Schatz an Möglich-keiten zu schöpfen, um einen Weg entstehen zu lassen, der uns zum Guten dienen wird. Manchmal reicht schon eine neue Blickrichtung, um das Belastende auf ein objektives Maß schrumpfen zu lassen. Deshalb hat Gott Jesus geschickt. Damit wir Ihn besser kennen lernen und sein liebender Vaterblick auf unserem Leben gleich mit dazu. Dann brauchen wir nicht mehr unseren eigenen belastenden Vorstellungen nachzujagen, sondern dürfen sein Joch aufnehmen und feststellen, dass es leicht ist. Gott steht bereit um uns neue Möglichkeiten aufzumachen und unsere Leben lebenswerter zu machen. Das ist die Botschaft von Weihnachten. Und das wünsche ich mir, dir und Euch zu erleben, nicht nur an in der Adventzeit und Weihnachten sondern das ganze kommende Jahr 2017.
                Samuel Zind