„Gastfrei zu sein vergesst nicht…“ Hebräer 13,2
Als meine Frau das erste Mal bei mir zu Besuch war, brauchte ich diesen Hinweis nicht. Gastfreundschaft, Essen und Trinken liebevoll vorbereiten, sich um das Wohl des Gastes sorgen - all das kam aus dem Herzen. Denn es war eine Form, meine Liebe zu zeigen.
Diese Motivation trägt auch hier. Im Satz davor ist zu lesen: Haltet in geschwisterlicher Liebe zueinander. Und dann wird erklärt, wie sich das in den verschiedenen Lebensbereichen auswirkt, zuerst bei der Gastfreundschaft. Aber mit der Liebe beginnt alles.
Gastfreundschaft ist im Orient noch tiefer verwurzelt als bei uns. Als ich vor vielen Jahren mit einem Freund per Fahrrad dort unterwegs war, haben wir erfahren, wie das aussehen kann: Wir wurden genötigt, unser Zelt wieder abzubauen, um bei einem Bauern zu Gast zu sein. Er trug uns auf, was er hatte - nicht viel, aber von Herzen. Er und seine Söhne unterhielten sich mit uns, obwohl wir  verschiedene Sprachen hatten. Wir haben viel gelacht und wurden herzlich aufgenommen. Er gab sein Bestes, um es uns gut gehen zu lassen.
Dieser Mensch ist mir vor Augen, wenn in der Bibel von Gastfreundschaft erzählt wird. In unseren Arbeitsbereichen begegnen wir mehr und mehr Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrung. Gastfreundschaft als Ausdruck von Liebe erfahren sie vielleicht nicht immer.
Hier nimmt uns das Bibelwort in die Pflicht und öffnet uns zugleich eine Verheißung. Denn weiter heißt der Vers 2:              „… denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“
Als CVJM insgesamt aber auch als Einzelne suchen wir oft die Begegnung mit Gott. Wir sehnen uns danach, dass sich der Himmel öffnet. Wo wir gastfrei sind, können wir das erleben.
           Christian Herbold